Prof. Verena Klusmann mit Björn Engholm auf dem Podium in Lübeck
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut ihnen auch! Matthäus 7,12 (Bergpredigt)
Das Doppelte an Sitzplätzen musste für den sonntäglichen OpenGarden der Reihe Kirchentalk der Propsteikirche Herz Jesu in Lübeck herbeigeschafft werden, damit alle rund 200 Gäste Platz fanden. Den musikalischen Auftakt gab die 88-jährige Uschi Wüst am E-Piano. Geladen hatten Propst Christoph Giering und die Moderatorin Mechtild Mäsker zum Thema „Älter werden: Zwischen Lebensweisheit und Zipperlein“. Björn Engholm verdeutlichte, gutes Älterwerden ist für ihn verbunden mit der Haltung, keine unnützen Kämpfe mehr zu führen, sondern mit Bedacht, da zu investieren, wo es sich lohnt. Vor allem in gutes Miteinander der Generationen und in Rahmenbedingungen für ein gutes Altern. Hier seien vor allem soziale Ungleichheiten zu berücksichtigen. Klusmann verwies auf Studien des Deutschen Zentrums für Altersfragen, die den Zusammenhang von Armut, Einsamkeit und geringerem politischen Vertrauen belegen. Engholm fragte – sich selbst einschließend – ins Plenum, wie viel die gut situierten Rentner und „Boomer“ denn bereit wären, von ihren Ressourcen abzugeben, damit die Gesamtgesellschaft gut oder zumindest besser zurechtkäme. Er bezog sich damit auf eine passende Versorgung für gesundheitliche und finanzielle Bedarfe, wie das nicht mehr zeitgemäße Rentensystem. Zugleich sollte die enorme Wirtschaftskraft durch Konsum und unentgeltliches Engagement – Klusmann referierte konkrete Zahlen – in der nacherwerblichen Phase stärker in den Debatten berücksichtigt werden. Wünsche nach mehr Flexibilität in Bezug auf Tätigkeitsbereiche und Arbeitszeitgestaltung, verlängerte oder u.U. auch verkürzte oder unterbrochene Zeiten von Erwerbstätigkeit im Lebensverlauf, wurden aufgebracht und diskutiert, starre Altersgrenzen hinterfragt. Das rein chronologische Alter als alleiniges Entscheidungs- oder Beurteilungskriterium greift viel zu oft zu kurz. Auch die eingangs gestellte Frage nach dem „gefühlten Alter“ relativierte sich im Laufe des Gesprächs: So drückt ein sich jünger fühlen aus, dass wir negative Klischees vom eigentlichen Alter haben, von denen wir uns positiv abheben wollen. Realistische, vor allem positive Altersbilder jedoch, sind der entscheidende Faktor für Gesundheit, ein erfülltes Leben und Langlebigkeit, so konnte Klusmann unter erneutem Verweis auf aktuelle nationale und internationale Studien konstatieren. Dafür müssen aber auch die Rahmenbedingungen geschaffen und immer wieder neu justiert werden, sowohl durch individuelles wie auch durch gesamtgesellschaftliches Handeln, waren sich Diskutierende und Gäste einig. Engagement für ein gutes Altern und ein gutes Miteinander der Generationen findet auch im Kleinen statt: Für Propst Giering beispielsweise durch das Mitwirken im Chor, für Björn Engholm beim gemeinsamen Familienessen. Klusmann unterstrich einen Kommentar aus dem Plenum: „Neugierig und offen bleiben, respektvoll und auf Augenhöhe agieren – das sind zentrale Schlüssel.“
Wie wichtig es weiterhin ist, die Vielfalt des Älterwerdens und Altseins auch sichtbar zu machen, um den Scheinwerfer nicht einrosten zu lassen, betonte Klusmann erneut. In einem Ausstellungsbereich wurden Einblicke in die Fotografien zu den Begegnungen mit dem Älterwerden aus dem KImAge-Projekt geboten. Über 600 Fotografien sind mittlerweile in der Online-Datenbank gesammelt und es dürfen und sollen noch mehr werden. Daher: Weiter mitmachen unter https://www.kimage-hfu.de!





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